16 mm Film zur Gewächshausproduktion

VEG Gewächshausanlage Vockerode 1985 16 mm Film / DEFA-Produktions- gemeinschaft 1985 für die internatio- nale Gartenbauausstellung iga Erfurt

1985 fertigte die DEFA einen 16mm-Film für die iga (Internationale Gartenbauausstellung) Erfurt: „Der Weg zur industriemäßigen Produktion von Gemüse in Gewächshäusern am Beispiel der Gewächshaustomate“, der sich im Nachlass des Betriebes fand. Der Kommentar schildert genau die Produktionsabläufe und gibt Einblick in das Leben der jugendlichen „Werktätigen“.

Kommentar

„Der Weg zur industriemäßigen Produktion von Gemüse in Gewächshäusern am Beispiel der Gewächshaustomate“

Das Bezirksjugendobjekt „Gewächshausanlage“ in Vockerode ist derzeit die größte und modernste Gewächshausanlage der Gemüseproduktion, die in der DDR noch gebaut wird. Die Endausbaustufe von 30 Hektar Produktionsfläche wird in Vockerode mit 83 Stahl-Plast-Gewächshausblöcken G 300 erreicht. Es werden dann auf 20 ha Tomaten und auf 10 ha Gurken als Hauptarten produziert. Entsprechend den Beschlüssen von Partei und Regierung besteht die Hauptaufgabe von Gewächshausanlagen darin, die Versorgung der Bevölkerung mit Gemüse im 1. Halbjahr und im 4. Quartal wesentlich zu verbessern. Am Beispiel wird demonstriert, wie über Frischdienstlinien gemeinsam mit dem VEB Großhandel Obst/Gemüse/Speisekartoffeln (OGS) die Bevölkerung mit frischem Gemüse versorgt wird. OGS Wittenberg, die Industriezentren Halle, Halle-Neustadt, Merseburg, Leuna, Bitterfeld, Wolfen, Wittenbereg, Piesteritz und Dessau sind die Hauptversorgungsorte, die von Vockerode beliefertn werden.

Durch die Anwendung der neuesten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung in Verbindung mit der Anwendung moderner Technik gestalten wir die Produktion und verbessern die Arbeitsbedingungen. Wie in der Freiland-Gemüseproduktion wird auch in den Gewächshäusern den Fragen einer hohen Ackerkultur große Bedeutung beigemessen. Die meliorative Grundbeetverbesserung erfolgt mit einem einmaligen Aufwand von 150-200 Litern je qm Kieferntrockenrinde oder ähnlichen strukturstabilen Stoffen. Zur laufenden Bodenverbesserung müssen je nach Bodenverlust jährlich 20-50 Liter je qm strukturstabiler Substrate eingesetzt werden. Die mineralische Grunddüngung erfolgt differenziert nach Analysewerten. Die Ausbringung muss sehr gewissenhaft vorgenommen werden. Das Streubild ist ständig zu prüfen. Durch den richtigen Einsatz von Bodenbearbeitungsgeräten der Feldbautechnik mit hohem Leistungsvermögen wird eine effektive, tiefgründige Bodenbearbeitung erreicht. Eine qualitätsgerechte Bodendesinfektion ist ein wesentlicher Faktor zur Erhaltung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit.

Das wirksamste und sicherste Verfahren ist die Bodendämpfung. Die Methode der Oberflächendämpfung hat sich in Verbindung mit der Anwendung gewebeverstärkter hitzebeständiger Folie in der Praxis bewährt. Diese Form wird in Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Produktionsverfahrens im Übergang zu strukturstabilen Substraten auch bei der Tomate ein zweckmäßiges Verfahren sein. Eine weitere Möglichkeit ist die Unterfluordämpfung, die mit sehr hohem Materialaufwand verbunden ist und deshalb nur unter besonderen Bedingungen eine Berechtigung hat. Die chemische Bodenentseuchung sollte nur dort Anwendung finden, wo die Voraussetzungen für die Dämpfung nicht realisierbar sind. Die Kombination von Wechselpflug und Bodenfräse garantiert bei einer gewissenhaften Arbeitsweise eine hohe Qualität der Bodenbearbeitung und der Flächengestaltung. Großen Einfluss auf den Ertrag hat die Produktion kräftiger, gesunder Jungpflanzen. Die exakte Einhaltung der optimalen Klimaparameter im Komplex während der gesamten Anzuchtzeit garantiert kürzeste Entwicklungsdauer bei hoher Pflanzenqualität. Die kurzfristige klimatisierte Lagerung der Jungpflanzenzuchterde in entsprechend desinfizierten Stahl-Plast-Gewächshausblöcken ermöglicht die Einflussnahme auf Temperatur und Feuchtigkeit des Substrats. Eine leistungsfähige Technik ist Voraussetzung für hohe Arbeitsproduktivität und gute Qualität bei der Erdhauf-Produktion.

Der Einsatz an automatisierten Mischfeldern garantiert die gleichmäßige Befeuchtung des Substrats. Ein Aufnahmeförderer erleichtert die Beschickung der Erdhauf-Presse und garantiert die gleichmäßige Substratzufuhr. Moderne, leistungsfähige Erdhauf-Pressen mit Direktaussaat führen zu einer wesentlichen Steigerung der Arbeitsproduktivität. Sobald sich der Bestand zu schließen beginnt, werden die n auseinandergerückt. Damit werden Voraussetzungen geschaffen, um im weiteren Wachstumsverlauf einer kräftigen, gedrungenen Wuchs zu sichern. Zusatzlicht und Bodenheizung sind Voraussetzungen für hohe Jungpflanzenqualität. In der Praxis gut bewährt haben sich Halogen-Metalldampflampen mit einer Leistung von 1000 Watt. Je m2 Grundfläche wird eine elektrische Lampenleistung von 130 Watt installiert. Das entspricht bei vorgenanntem Lampentyp und einer Aufhängehöhe von 2 Metern einer Beleuchtungsstärke von 4500 bis 5000 Lux. Auch der Jungpflanzentransportwagen ist eine Neuentwicklung unseres Betriebes, der zu einer beachtlichen Steigerung der Transportleistung beiträgt. Das gewissenhafte Verteilen der Stützfäden ist die Voraussetzung für die exakte Einhaltung der Pflanzabstände. Die Pflanzung selbst sorgfältig und mit großer Exaktheit erfolgen. Dabei werden die Stützfäden unter den Erdballen eingelegt. Letztere Maßnahme lässt das bisherige Anbinden entfallen und ist ein wichtiges Verfahren zur Rationalisierung, auch nach der Räumung nach Ernteverlauf.

Ein weiteres Beispiel für die Anwendung neuer Technik ist der Einsatz einer modernen Betriebsmess-, Steuer- und Regelanlage, die in Abhängigkeit von den Anforderungen der Pflanze unter Berücksichtigung der äußeren Witterungsbedingungen ein optimales Klima in den Gewächshäusern gewährleistet. Durch eine aktive Neuerer-Arbeit schaffen wir uns, wie hier am Beispiel der kontinuierlichen Flüssigdüngungsanlage, ständig leichtere Arbeitsbedingungen und verbesserte Produktionsvoraussetzungen. Mit dieser Anlage kann die Forderung nach einer kontinuierlichen, optimalen Nährstoffversorgung während der gesamten Produktionsperiode erfüllt werden. Eine sorgfältige Pflege auf der Grundlage on Richtwerten und Normativen ist wichtig für die Ertragshöhe. Durch Rütteln der untersten drei bis vier Blütenstände wird die Höhe und die Frühzeitigkeit des Ertrages positiv beeinflusst.

Die Ernte ist mit einem hohen Aufwand an manueller Arbeit verbunden. Zugleich entsteht dabei eine hohe körperliche Belastung unserer Werktätigen. Durch Einsatz von Rationalisierungsmitteln versuchen wir, diese Belastungen zu vermindern. Die Anwendung eines speziellen innerbetrieblichen Leergutes aus Plastwerkstoff schafft die Voraussetzung für eine rationellere Erntetechnologie und gibt zugleich Möglichkeiten, prophylaktische hydrosanitäre Maßnahmen durchzuführen. Bei der Aufbereitung der Tomate schafft eine leistungsfähige Technik verbesserte Arbeitsbedingungen. Bei mehrschichtiger Auslastung unserer Aufbereitungslinie kann das Erntegut kurzfristig zur Auslieferung gebracht werden. Durch eine selbstbedienungsgerechte Abpackung wird eine Rationalisierung der Handelstätigkeit möglich. Zugleich werden die Erhaltung der Qualität und die Lagerfähigkeit positiv beeinflusst. Diese Aufgaben erfüllen wir mit einem jungen, zukunftsorientierten Kollektiv mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren. Neben hohen Leistungen in der Produktion ist die ständige Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen ein Hauptanliegen in der Gewächshausanlage Vockerode. Ein Bestellsystem erleichtert den Einkauf in der betriebseigenen Verkaufsstelle. Unsere Jugendlichen sind sehr aufgeschlossen für alle gegenwarts- und zukunftsorientierten Probleme. Politisch-ideologische und fachliche Qualifizierung unserer Werktätigen sind ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Auf diese Weise wird auch der Intensivierungsfaktor „Aus- und Weiterbildung“ verstärkt wirksam. Sinnvolle Freizeitgestaltung nach getaner Arbeit gibt Impulse für kommende Aufgaben. Unter anderem sind erholsame Stunden in dem nahegelegenen Erholungszentrum Wörlitzer Park von den Werktätigen sehr geschätzt. Die Anerkennung, die dem Bezirksjugendobjekt mit der Verleihung des Wilhelm-Pieck-Ehrenbanners des ZK der SED zuteil wurde, ist Verpflichtung, stets die ganze Kraft für die Erfüllung der gestellten Aufgaben einzusetzen.